Wir kamen endlich zum Deck und setzen uns auf ein Fensterbrett, von dem wir gut sehen konnten. Da lag nun Norwegen vor mir und ich war total aufgeregt. Ole merkte mir das an und sagte: „Ja, so ging es mir auch, als ich das erste mal nach Dänemark kam.“, wobei er mir mit seinem klobigen Krallen auf die Schulter faste.
Die Sonne schien und eigentlich war es gar nicht kalt, wie immer alle erzählten, wenn es um Norwegen geht. Komisch, dachte ich bei mir aber beließ es dabei, denn ich genoss die Einfahrt in den Hafen von Kristiansand. Außer den Temperaturen war hier schon allein von der Umwelt alles anders. Zum einen war da dieser Geruch, der nur noch nach Meer, Blumen und frischem Gras roch. Für mich war es unglaublich, aber ich konnte tatsächlich keine Chemie riechen. In Deutschland müssen wir Bienen ständig auf der Hut sein, wenn wir unseren Honig einsammeln, denn überall verspritzt der Mensch diese Chemiekeulen. Dann gehen wir an die Pflanzen nicht mehr heran, weil wir davon krank werden und der Geschmack einfach nur widerlich ist.

Doch der Duft war eigentlich nicht alles, denn die Landschaft, die vor mir lag war einmalig. Aus dem Wasser ragten riesige Felsen empor und das Schiff musste einen vorgegeben Weg nehmen, damit es nicht irgendwo gegen stieß. Auch an Land wechselte das Grün von Wiesen und Nadelbäumen mit schroffen Felsen ab. Darin eingebettet waren viele Häuser, die in Kristiansand wiederum fast alle aus Stein bestehen. Nur in den Außenbezirken wechselten die Steinhäuser wieder mit Holzhäusern, die ihren eigenen Reiz haben.
Ole sagte mir, dass Kristiansand eine der größten Städte Norwegens ist. Doch wirklich schöne Orte befinden sich nur wenige Kilometer entfernt, an der wunderschönen Scherenküste. Ole meinte, wenn ich möchte könnte ich einige Tage mit ihm durch Norwegen reisen, damit ich das Land besser kennenlernen könne. Ich willigte sofort ein und war gleichzeitig begeistert von seiner Gastfreundschaft. Er meinte nur, dass wir uns nicht in Kristiansand aufhalten würden, sondern an der Küste langsam in Richtung Norden aufbrechen könnten. Das klang vielversprechend und ich freute mich bereits auf die nächsten Tage mit Ole. Ich war mir sicher, dass er der optimale Reiseführer ist.
„Du, sag mal Ole, alle haben mir erzählt, dass es in Norwegen so kalt ist und ich mich warm anziehen muss und nun finde ich es überhaupt nicht kalt. Eigentlich ist es wie bei uns nur das die Sonne etwas flacher steht?“
„Ja, weist Du, dass denken fast alle die weiter aus dem Süden kommen. Doch Norwegen hat den Vorteil, dass es im Süden warm und im Sommer auch relativ trocken ist. Ab dem Hardanger Fjord kann es dann aber schon etwas rauer zugehen. Am Nordkap ist es natürlich kühl und mit etwas Glück fliegen wir Beide bis rauf zu den Lofoten. Dort ist es immer recht windig und natürlich auch kälter. Hauptsache wir werden nicht so vielen Trolle begegnen.“
„Trolle, die gibt es doch nur in Euren Geschichten und Märchen, oder etwa nicht?“
„Ha, warte es ab! Wenn Dir etwas merkwürdiges passieren sollte, so kannst Du mal davon ausgehen, dass es ein Troll war. Aber mach Dir keine Sorgen. Unsere Wissenschaftler haben etwas entwickelt, womit wir die Trolle sichtbar machen können. Also wenn was komisch ist, sage es mir einfach.“
Also für mich war der kühle Norden, als das Norwegen bei uns immer bezeichnet wird eher war, wozu aber nicht nur das Wetter beiträgt, sondern vor allem mein neuer Freund Ole.
